Das ist in der luftruinen-Ausgabe 15 enthalten:
– Christian Gottschalk: Poetry Slam
– Yasmin Dreessen: Generation Winterschlaf
– Isabel Lipthay: Haut
– fabian ajaj: deine unendlichen gärten
– Christian Feischen: Forsythien
– Safiye Can: ‘tschuldigung
– michael holz (Michael Haarpunkt): an dem tag
– Armin Sengbusch: Tag verloren
– Sybille Lengauer (Sybille Incognita): Du und ich
– Johannes Witek: Kaum Hilfe möglich
– jörg kleemann: in der blauen stirn der stunde
– Clemens Schittko: Gedicht gegen die Arbeit
– Frank Milautzcki: Terzine vom Diolen
– Alexander Schnickmann: Grillabend
– Alexander Schnickmann: Schreberjugend Kleinhansdorf-Süd
– Daniel Schulz: 25
– Daniel Schulz: 26
– Daniel Ableev: 8 Nonseme
– Claudia Ratering: Meine Worte
– Sven Klöpping: wortfluss 1 (wortfluss der ungeschwängerten liebe)
– Manuela Varga: Annäherung
– Manuela Varga: Der blaue Schal
– Sybille Lengauer: Glück
– Tobias Kunze: Teile des Problems
– Achim Leufker: Die drei ??? und das Geheimnis der Frau
– Michael Holz: Wenn wir uns sehen
– felix hetscher: fotoautomat
– Pavel Landau: Die Tücken der Farbenlehre
– Ingeborg Denner: Erklär’ nir, Liebe (nach I. Bachmann)
– Mike Vojnar: #Aufschrei
– Lisa Tschorn: RANARP Hängeleuchte 29,99
– Herbert Beesten: Schluss mit Lieb
– Safiye Can: Inkognito
– Mirko Stauch: Der Polizist
– fabian ajaj: kosmos einer bushaltestelle
– Ralf Burnicki: Geschwindigkeit 3000
– Jonis Hartmann: Partygarnelen
– Jonis Hartmann: WiPo-SoWi-So-Projekt
– Carl Beerwerth: als your boy money boy
– Robert Martschinke: Klopf, klopf, klopf

Luftruinen-Lesebühne am 4. Juni, 19 Uhr

Liebe Leute,

auch in diesem Jahr wird es wieder eine Luftruinen-Lesebühne für kulturelle Vielfalt geben. Und zwar diesmal am Samstag, den 4. Juni, ab 19 Uhr in der Aula der ESG (Evangelische Studierenden-Gemeinde), Breul 43, 48143 Münster. Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.
Unter anderem treten auf Kaum Ein Vogel, Ralf Burnicki, Martin Firgau, Claudia Ratering, Lisa Tschorn, Andi Substanz, Don Simon, Stella Haastrup und Roland.
Ich freue mich über Eure Teilnahme.
Alles Liebe und Gute, Euer Jörg

„Zukunft auf Tuchfühlung“. Flügge Sätze und unruhige Worte.

Ralf Burnicki und Findus: Hoch lebe sie – die Anarchie! Anarcho-Poetry. Verlag Edition AV, Lich/ Hessen 2014, 50 S., ISBN 978-3-86841-102-7

Wäre Ralf Burnicki Musiker, was er bei der Rhythmik seiner extrem experimentierfreudigen Lyrikprosa durchaus sein könnte, hätte er nun ein Konzeptalbum veröffentlichen können. Außer im sloganhaft daher schlendernden Titel „Hoch lebe sie – die Anarchie!“ reimt sich aber nichts, und das könnte Programm sein, Programm für seine waghalsig und leichtfüßig vorgetragene Anarcho-Poetry. Das Sujet, die Anarchie, findet sich nicht nur in fast jeder Kapitelüberschrift wieder, Ausnahmen bilden die märchenhafte Kapitalismuskritik „Der Chefteddy“ und der spannende „Countdown“, sondern in gleichberechtigt mäandernden, umstürzenden Satzneubauten. Hier werden Sätze flügge, und Worte begeben sich in äußerst belebende Unruhezustände, die eine hoffnungsfrohe Utopie verheißen, ohne zu erkalten. Burnickis Texte sind von beispielloser Bildhaftigkeit und einer einzigartigen Brillianz, die ihn über die gewöhnliche Politlyrikproduktion hinaus von tagesaktueller Versklavung befreien. Er testet aus, sprengt Genregrenzen, bereichert beredt, erweitert den Sprachschatz, hebt ihn, erhebt ihn, assoziiert Ungewöhnliches ins freie Radikale.
Der Anarchie, die in „Anarchie jetzt!“ „Zukunft auf Tuchfühlung“ und das „Organisationskomitee des Horizonts“, der „Zweitwohnsitz“ von Ideen ist, schreibt Burnicki eingangs einen Liebesbrief, so warm, daß man wünschte, es wäre eine lebendige Person. Da heißt es: „Abends gibst du den Trostlosigkeiten dieser Welt unter Verwendung von Papiertüten ein Konzert, und in der Nacht versuchst du heimlich, den täglichen Hass von der Leitplanke zu kratzen, verwandelst Zäune oder Grenzen in heiße Luft, füllst einen Luftballon, der in die Fressnäpfe unserer Unterwürfigkeiten pupst.“ Und wenig später: „… wir steigen ein in Atemzüge, um die Welt von den Schienen zu blasen, so geht Geschichte in Zukunft über.“
Burnicki liefert ein Antidot zu fragwürdigen Gewissheiten und scheinbaren Selbstverständlichkeiten, dagegen, daß „die Sonne auf dem Dienstweg daher kommt und die Nachmittage Verzichtserkläungen gleichen“ („Warum Anarchie?“), dagegen, daß man „wegen Unfallgefahr vor jeden Zweifel ein Warndreieck aufstellen“ muß, dagegen, daß „keine Freudentänzer mehr von Balkonen winken, weil der Sommer sich im Tränengas vergeigt“ („Countdown“).
Tätlich unterzeichnet vom graswurzelrevolutionären Findus, hat Burnickis poetische Flugschrift eigentlich nur einen kritikwürdigen Mangel: Sie ist zu kurz. Gerne läse man zahlreichere Texte dieser unvergleichlichen, wortwörtlich erlesenen Güte. Jeder einzelne davon hätte, auf einer Kundgebung verteilt, die Kraft, die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen. Das Buch könnte auch im hosentaschenkompatibleren Reclamheftformat erscheinen, auf daß man es bei direkten Aktionen zivilen Ungehorsams und infolge etwaiger Sanktion seitens staatlicher Repressionsorgane in Gewahrsam genommen, aber freigeistig zur persönlichen wie kollektiven Erbauung rezitieren vermag. Hoffen wir mit Burnicki, daß seine Worte „Wurzeln [schlagen] in der aufgebrochenen Zeit“ und sich die Hoffnungen „gegenseitig eine bessere Welt ausgeben“ („Countdown“), daß „die Welt die Erinnerung ausziehen [wird], dass einmal Regierungen und Grenzen die Menschen zu trennen wagten“ („Wenn die Anarchie ausbricht“). Dann „wachsen Sätze in Freiheit heran, steigen neue Erfahrungen aus dem Zuge, nehmen den Sonnenaufgang mit all ihrem Glücksanhang und sämtlichen Nebenwirkungen“; dann „schmecken Tage nach Licht“ (ebd.); wenn „die Sehnsucht sich von ihren Trägheiten befreit“ und das „für eine Idee, die die Menschen großschreibt“ („Die anarchistische Nacht“). Dann „tanzt unser Zorn Richtung Morgen, dem unser Gelächter vor die Füße spuckt, weil der mit seinen Halbwahrheiten protzt. Und obwohl sich Wolken auf unsere Hoffnungen stürzen, halten wir an unserem Unmut fest und werfen unseren eigenen Sturm in die Welt, aus der in diesem Moment eine neue entsteht“ (ebd.). Hoffen wir es, wenn sie freilich so reichhaltig wäre wie Burnickis Sprache.

Jörg Siegert
erschienen in der “graswurzelrevolution”-Ausgabe 398, April 2015

Und das ist da für Euch drin:

Safiye Can: Der Garten
Isabel Lipthay: Seltsame Pflanzen
Yasmin Dreessen: Fluchtkind
Ralf Burnicki: Freiheit
Ralf Burnicki: Anders sein
Ralf Burnicki: Freundschaft
Hakan Akcit: Autogewäschanlage
Safiye Can: Ein solcher Regen
Sybille Lengauer: Fast schon ganz alles
Alexander Schnickmann: Magdeburg bei Nacht
Clemens Schittko: An die Pädagogen
Lisa Tschorn: Ohne Titel
Isabel Lipthay: Mölln
pedro leum: wehret den anfängen
Ralf Burnicki: Fremd unter Fremden
Safiye Can: Möglicherweise ganz und gar
Yasmin Dreessen: Schwarzweiß
Mika Reckinnen: Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen
Ralf Burnicki: Was soll das bedeuten?
Safiye Can: Integration in Deutschland
Safiye Can: Pianissimo6
Herbert Beesten: neue begegnung
Tobias Kunze: Menschen
Ralf Burnicki: Großmutter Ghohar
Marian Heuser: Der Enkel des Wüstenfuchses
Marian Heuser: Zivildienst (Teil 2)
Ralf Burnicki: Ströme nach Downtown
Ralf Burnicki: No Limits
Das Layout und das Titelbild stammen von Lennart Jasper.

Luftruinen-Sonderausgabe für kulturelle Vielfalt

Die Luftruinen-Sonderausgabe für kulturelle Vielfalt ist erschienen. Anläßlich des Internationalen Tages gegen Rassismus am 21. März 2015 versammeln sich hier Autorinnen und Autoren und beweisen ausdrucksvoll, daß es Kultur ohne Zusammenleben nicht geben kann.
Zu beziehen ist die Ausgabe bei: Jörg Siegert, Hammer Straße 175, 48153 Münster, luftruinen@gmx.net.

Luftruinen-Lesebühne gegen Rassismus, 21.3., 19 Uhr, esg-Aula

Hi Ihr Lieben! Ich freue mich, Euch mitteilen zu können, daß es am Samstag, 21. März 2015, am Internationalen Tag gegen Rassismus, aus diesem Anlaß eine Luftruinen-Lesebühne geben wird. Sie startet ab 19 Uhr in der Aula der esg (evangelische studierendengemeinde), Breul 43, 48143 Münster. Mit dabei sind u.a. Safiye Can, Ralf Burnicki, Fabian Kick, Jörg Siegert. Eintritt ist frei, Spenden sind natürlich willkommen. Mitveranstalter sind die esg und die VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes/ Bund der Antifaschist/inn/en). Wäre schön, wenn wir uns da sähen. Und hörten. ALG Jörg