Das Programm wird wie folgt aussehen (Änderungen vorbehalten):
Am Freitag, den 24. März 2017, treten ab 19 Uhr in der Frauenstrasse 24 auf:
19.00 Uhr: Morina Miconnet
19.30 Uhr: Johnny Ketzel und die Schliesser
20.00 Uhr: HonigMut
20.30 Uhr: Sybille Lengauer
20.50 bis 21.00 Uhr: Pause
21.00 Uhr: Hanna Meyerholz und Phil Wood
21.30 Uhr: Kaum Jemand und Anja Kreysing
22.00 Uhr: Andi Substanz

Am Samstag, den 25. März 2017, treten ab 19 Uhr in der Frauenstrasse 24 auf:
19.00 Uhr: Jörg Siegert
19.15 Uhr: Ralf Burnicki
19.45 Uhr: Safiye Can
20.15 Uhr: Kaum ein Vogel
20.45 bis 21.00 Uhr: Pause
21.00 Uhr: Marian Heuser
21.30 Uhr: Don Simon und das Monopol

Leider erst nach Drucklegung der Flyer und Plakate erfolgten 4 Absagen: von Martin Baxmeyer aka Baxi, Stella Haastrup, Stereo und Pit Budde.

Die Karten kosten pro Abend 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.
Es gäbe auch die Möglichkeit, ein Kombiticket für beide Abende zu erwerben: 8 Euro, ermäßigt 5 Euro.
Die Karten sind erhältlich in der Frauenstrasse 24 (Vorverkauf/ Abendkasse) oder unter 0157-84441593 bei Jörg Siegert

Das “luftruinen”-Festival für kulturelle Vielfalt gegen Rassismus wird mit veranstaltet von der Kreisvereinigung Münster der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes/ Bund der AntifaschistInnen) und dem Kulturverein Frauenstrasse 24 e.V. Es findet in der Culture Corner einen Kooperationspartner und wird freundlich unterstützt vom Kulturamt der Stadt Münster und dem AStA der Universität Münster.

Stoßlüften und frischer Wind für kulturelle Vielfalt gegen Rassismus. Das „luftruinen“-Festival am 24./ 25. März 2017.

Das “luftruinen”-Festival für kulturelle Vielfalt wird am 24. und 25. März 2017 (Freitag/ Samstag) jeweils ab 19 Uhr ein reichhaltiges und vielfältiges Kulturangebot mit Musik- und Wortbeiträgen in der Frauenstraße 24 anbieten (jeweils bis ca. 23 Uhr). Neben Künstlerinnen und Künstlern, die in der Kulturszene in Münster sehr bekannt sind, wird es auch überregionale Verstärkung geben.
Das Festival wird von der Literaturzeitschrift “luftruinen – flugschriften für freigeistkultur” (luftruinen.blogsport.de), die seit Sommer 2008 ein Forum für Autorinnen und Autoren mit und ohne Migrationshintergrund ist und zuverlässig junge, kreative Talente fördert, organisiert. Mitveranstalter sind bis dato die Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes/ Bund der AntifaschistInnen (VVN/ BdA) und der Kulturverein der Frauenstraße 24. Zudem wird die Culture Corner, ein studentisches Kulturprojekt, ein freundlicher Kooperationspartner sein. Das Festival findet mit freundlicher Unterstützung des Kulturamts der Stadt Münster und des AStAs der Uni Münster statt.
Zugesagt haben Don Simon & das Monopol, Andi Substanz, Honigmut, Sybille Lengauer, Hanna Meyerholz/ Philip Wood, Morina Miconnet, Stella Haastrup, Johnny Ketzel und die Schliesser, Kaum Jemand und Anja Kreysing, Safiye Can, Ralf Burnicki, Stereo, Kaum Ein Vogel, Pit Budde, Baxi (Martin Baxmeyer) und Marian Heuser.
Wir erheben pro Abend einen Eintrittspreis von jeweils 5 Euro. Es gibt natürlich die Möglichkeit, für beide Abende ein Kombiticket zu erwerben.
Wir sind überzeugt davon, dass unser Kulturangebot auf ein qualifiziert interessiertes Publikum treffen wird und sich das “luftruinen”-Festival für kulturelle Vielfalt im Zusammenhang mit dem Internationalen Tag gegen Rassismus am 21. März positiv auf die Wahrnehmung von Münster als weltoffene Stadt auswirkt.

Das ist in der luftruinen-Ausgabe 15 enthalten:
– Christian Gottschalk: Poetry Slam
– Yasmin Dreessen: Generation Winterschlaf
– Isabel Lipthay: Haut
– fabian ajaj: deine unendlichen gärten
– Christian Feischen: Forsythien
– Safiye Can: ‘tschuldigung
– michael holz (Michael Haarpunkt): an dem tag
– Armin Sengbusch: Tag verloren
– Sybille Lengauer (Sybille Incognita): Du und ich
– Johannes Witek: Kaum Hilfe möglich
– jörg kleemann: in der blauen stirn der stunde
– Clemens Schittko: Gedicht gegen die Arbeit
– Frank Milautzcki: Terzine vom Diolen
– Alexander Schnickmann: Grillabend
– Alexander Schnickmann: Schreberjugend Kleinhansdorf-Süd
– Daniel Schulz: 25
– Daniel Schulz: 26
– Daniel Ableev: 8 Nonseme
– Claudia Ratering: Meine Worte
– Sven Klöpping: wortfluss 1 (wortfluss der ungeschwängerten liebe)
– Manuela Varga: Annäherung
– Manuela Varga: Der blaue Schal
– Sybille Lengauer: Glück
– Tobias Kunze: Teile des Problems
– Achim Leufker: Die drei ??? und das Geheimnis der Frau
– Michael Holz: Wenn wir uns sehen
– felix hetscher: fotoautomat
– Pavel Landau: Die Tücken der Farbenlehre
– Ingeborg Denner: Erklär’ nir, Liebe (nach I. Bachmann)
– Mike Vojnar: #Aufschrei
– Lisa Tschorn: RANARP Hängeleuchte 29,99
– Herbert Beesten: Schluss mit Lieb
– Safiye Can: Inkognito
– Mirko Stauch: Der Polizist
– fabian ajaj: kosmos einer bushaltestelle
– Ralf Burnicki: Geschwindigkeit 3000
– Jonis Hartmann: Partygarnelen
– Jonis Hartmann: WiPo-SoWi-So-Projekt
– Carl Beerwerth: als your boy money boy
– Robert Martschinke: Klopf, klopf, klopf

Luftruinen-Lesebühne am 4. Juni, 19 Uhr

Liebe Leute,

auch in diesem Jahr wird es wieder eine Luftruinen-Lesebühne für kulturelle Vielfalt geben. Und zwar diesmal am Samstag, den 4. Juni, ab 19 Uhr in der Aula der ESG (Evangelische Studierenden-Gemeinde), Breul 43, 48143 Münster. Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.
Unter anderem treten auf Kaum Ein Vogel, Ralf Burnicki, Martin Firgau, Claudia Ratering, Lisa Tschorn, Andi Substanz, Don Simon, Stella Haastrup und Roland.
Ich freue mich über Eure Teilnahme.
Alles Liebe und Gute, Euer Jörg

„Zukunft auf Tuchfühlung“. Flügge Sätze und unruhige Worte.

Ralf Burnicki und Findus: Hoch lebe sie – die Anarchie! Anarcho-Poetry. Verlag Edition AV, Lich/ Hessen 2014, 50 S., ISBN 978-3-86841-102-7

Wäre Ralf Burnicki Musiker, was er bei der Rhythmik seiner extrem experimentierfreudigen Lyrikprosa durchaus sein könnte, hätte er nun ein Konzeptalbum veröffentlichen können. Außer im sloganhaft daher schlendernden Titel „Hoch lebe sie – die Anarchie!“ reimt sich aber nichts, und das könnte Programm sein, Programm für seine waghalsig und leichtfüßig vorgetragene Anarcho-Poetry. Das Sujet, die Anarchie, findet sich nicht nur in fast jeder Kapitelüberschrift wieder, Ausnahmen bilden die märchenhafte Kapitalismuskritik „Der Chefteddy“ und der spannende „Countdown“, sondern in gleichberechtigt mäandernden, umstürzenden Satzneubauten. Hier werden Sätze flügge, und Worte begeben sich in äußerst belebende Unruhezustände, die eine hoffnungsfrohe Utopie verheißen, ohne zu erkalten. Burnickis Texte sind von beispielloser Bildhaftigkeit und einer einzigartigen Brillianz, die ihn über die gewöhnliche Politlyrikproduktion hinaus von tagesaktueller Versklavung befreien. Er testet aus, sprengt Genregrenzen, bereichert beredt, erweitert den Sprachschatz, hebt ihn, erhebt ihn, assoziiert Ungewöhnliches ins freie Radikale.
Der Anarchie, die in „Anarchie jetzt!“ „Zukunft auf Tuchfühlung“ und das „Organisationskomitee des Horizonts“, der „Zweitwohnsitz“ von Ideen ist, schreibt Burnicki eingangs einen Liebesbrief, so warm, daß man wünschte, es wäre eine lebendige Person. Da heißt es: „Abends gibst du den Trostlosigkeiten dieser Welt unter Verwendung von Papiertüten ein Konzert, und in der Nacht versuchst du heimlich, den täglichen Hass von der Leitplanke zu kratzen, verwandelst Zäune oder Grenzen in heiße Luft, füllst einen Luftballon, der in die Fressnäpfe unserer Unterwürfigkeiten pupst.“ Und wenig später: „… wir steigen ein in Atemzüge, um die Welt von den Schienen zu blasen, so geht Geschichte in Zukunft über.“
Burnicki liefert ein Antidot zu fragwürdigen Gewissheiten und scheinbaren Selbstverständlichkeiten, dagegen, daß „die Sonne auf dem Dienstweg daher kommt und die Nachmittage Verzichtserkläungen gleichen“ („Warum Anarchie?“), dagegen, daß man „wegen Unfallgefahr vor jeden Zweifel ein Warndreieck aufstellen“ muß, dagegen, daß „keine Freudentänzer mehr von Balkonen winken, weil der Sommer sich im Tränengas vergeigt“ („Countdown“).
Tätlich unterzeichnet vom graswurzelrevolutionären Findus, hat Burnickis poetische Flugschrift eigentlich nur einen kritikwürdigen Mangel: Sie ist zu kurz. Gerne läse man zahlreichere Texte dieser unvergleichlichen, wortwörtlich erlesenen Güte. Jeder einzelne davon hätte, auf einer Kundgebung verteilt, die Kraft, die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen. Das Buch könnte auch im hosentaschenkompatibleren Reclamheftformat erscheinen, auf daß man es bei direkten Aktionen zivilen Ungehorsams und infolge etwaiger Sanktion seitens staatlicher Repressionsorgane in Gewahrsam genommen, aber freigeistig zur persönlichen wie kollektiven Erbauung rezitieren vermag. Hoffen wir mit Burnicki, daß seine Worte „Wurzeln [schlagen] in der aufgebrochenen Zeit“ und sich die Hoffnungen „gegenseitig eine bessere Welt ausgeben“ („Countdown“), daß „die Welt die Erinnerung ausziehen [wird], dass einmal Regierungen und Grenzen die Menschen zu trennen wagten“ („Wenn die Anarchie ausbricht“). Dann „wachsen Sätze in Freiheit heran, steigen neue Erfahrungen aus dem Zuge, nehmen den Sonnenaufgang mit all ihrem Glücksanhang und sämtlichen Nebenwirkungen“; dann „schmecken Tage nach Licht“ (ebd.); wenn „die Sehnsucht sich von ihren Trägheiten befreit“ und das „für eine Idee, die die Menschen großschreibt“ („Die anarchistische Nacht“). Dann „tanzt unser Zorn Richtung Morgen, dem unser Gelächter vor die Füße spuckt, weil der mit seinen Halbwahrheiten protzt. Und obwohl sich Wolken auf unsere Hoffnungen stürzen, halten wir an unserem Unmut fest und werfen unseren eigenen Sturm in die Welt, aus der in diesem Moment eine neue entsteht“ (ebd.). Hoffen wir es, wenn sie freilich so reichhaltig wäre wie Burnickis Sprache.

Jörg Siegert
erschienen in der “graswurzelrevolution”-Ausgabe 398, April 2015